| Kurzbiographie |
Anna Simon war von 1941 bis 1964 die Direktorin des St. Pauli Theaters auf der Reeperbahn. Mit Erfolg brachte sie das Privattheater ohne finanziellen Zuschüsse vom Staat durch mehrere Krisenzeiten. Sie, die ganz plötzlich nach dem Tode ihres Mannes und Direktors des Ernst-Drucker-Theaters, wie das Theater bis 1941 hieß, den Betrieb übernehmen musste, lernte, sich Respekt zu verschaffen. Als ihr Mann Siegfried Simon 1924 starb, stand die 32jährige mit zwei kleinen Kindern, Kurt (1916-1975) und Edith (1918-1982), allein da und musste sich in den von ihrem Mann erst drei Jahre zuvor von der Witwe Ernst Druckers übernommenen Theaterbetrieb einarbeiten. Dabei half ihr der Umstand, dass sie ihren Mann, als dieser Mitbesitzer und Direktor des Hamburger Flora-Theaters am Schulterblatt gewesen war, während des Ersten Weltkrieges vertreten hatte. Auch als Siegfried Simon 1921 Direktor des Ernst-Drucker-Theaters war, hatte sie immer großes Interesse an der plattdeutschen Bühne gehabt. Außerdem war sie, die Tochter eines Straßenbauunternehmers aus Hamburg-Hohenfelde, während ihrer Kindheit und Jugendzeit durch ihren Vater mit dem plattdeutschen Wesen bekannt geworden und hatte darüber hinaus viel vom Geschäftsleben ihres Vaters mitbekommen. Nach einer ca. einjährigen Einarbeitungszeit hatte Anna Simon es geschafft – das Theater wurde ihre Lebensaufgabe. Sie kümmerte sich um die Schauspielerinnen und Schauspieler, Autoren, Dekorationen, Kostüme, um die Kasse – praktisch um alles. Der Spielplan zeigte an Vor- und Nachmittagen vor geschlossenen Gesellschaften niederdeutsche Dramatiker, abends wurden überwiegend Hamburger Lokalstücke mit Musik und Gesang gespielt. Ihre beiden Kinder unterstützen sie später bei der Arbeit. Edith Simon kümmerte sich um den kaufmännischen Bereich. Kurt Simon wurde künstlerischer Leiter. Der größte Erfolg war die am 21.12.1940 uraufgeführte und von Paul Möhring geschriebene „ Zitronenjette“. Es wurde im Laufe der Zeit in mehreren Serien über 600mal in Szene gesetzt. In der NS-Zeit bekam auch das St. Pauli-Theater den Despotismus dieses Regimes zu spüren. Als das 100-Jährige Bühnenjubiläum am 24.5.1941 gefeiert werden sollte, erging der Befehl, das Theater umzubenennen. Der Name „Ernst Drucker“ war jüdischer Herkunft. Von nun an hieß das Theater St. Pauli-Theater. Auch Anna Simon war mit ihren beiden Kindern den Schikanen der Nationalsozialisten ausgesetzt, da die Kinder im Nazijargon als nicht arisch galten. In der Nachkriegszeit wollten die Menschen Volksstücke sehen, wollten lachen und sich einige schöne Stunden bereiten. Ausverkaufte Vorstellungen waren deshalb in den 1950er Jahren keine Seltenheit. Aber es gehörte viel Tatkraft dazu, in dieser geldknappen Nachkriegszeit das Theater aufrechtzuerhalten. Als dann später das Fernsehen immer mehr zum Feierabendvergnügen wurdde, wirkte sich dies erh negativ auf das fianzielle Weiterbestehen des Theaters aus. Zu ihrem 65. Geburtstag erhielt Anna Simon vom Senat die „Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes“ verliehen. Anna Simon stand bis zuletzt und trotz ihres Alters und ihres Krebsleidens als Direktorin dem Theater vor und war von morgens bis in den späten Abend im Theater. Nach dem Tod von Anna Simon 1964 übernahmen die Kinder das Theater. Text: Rita Bake |